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Hamburg, AOL-Arena, 12.06.2003
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Setlist
Beginn: 20:14 Uhr
1. Born in the USA (acoustic)
2. The Rising
3. Lonesome Day
4. The Ties that bind
5. Atlantic City
6. My Love will not let you down
7. Empty Sky
8. You're Missing
9. Waiting on a sunny Day
10. You can look (But you better not touch)
11. No Surrender
12. Worlds Apart
13. Badlands
14. Out in the Street
15. Mary's Place
16. Downbound Train
17. Racing in the Street
18. Into the Fire
19. Tenth Avenue Freeze-Out
20. Hungry Heart (with Wolfgang Niedecken from BAP)
21. Bobby Jean
22. Ramrod
23. Born to Run
24. Seven Nights to Rock
25. My City of Ruins
26. Land of Hope and Dreams
27. Dancing in the Dark
Ende: 23:15 Uhr, Dauer: 3:01 Stunden
Zuschauer: 40.000
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Die Show
Am Morgen dieses warmen und sonnigen Sommertages fand ich mich mit Holger am
"Park Hyatt Hotel" im Levantehaus an der Mönckebergstrasse ein, wo Bruce und seine
E-Street-Band abgestiegen waren.
Dort warteten schon einige Fans und es sollten noch viel
mehr im Laufe des Tages werden, die hofften, hier einen der "E-Streeter" zu Gesicht
oder gar vor die Kamera zu bekommen.
Doch Bruce und seine Musiker machten sich
ziemlich rar.
So bekam ich ausser Nils
Lofgren, den ich in der Lobby vor dem Fahrstuhl abfing und der mir nicht nur
ein Autogramm gab, sondern sich auch gerne und in aller Ruhe fotografieren ließ,
nur noch Max Weinberg, den Drummer der Band, zu Gesicht, der mir zwar ebenfalls gerne
ein Autogramm gab, sich aber nicht fotografieren lassen wollte, was ich natürlich respektierte.
(Vielleicht lag es aber auch daran, dass er sehr zivil in Shorts und
T-Shirt in der Mönckebergstrasse zum einkaufen ging...*g*)
Der Rest der Band und Bruce himself kamen alle erst aus dem Hotel, als es
zum Soundcheck ins Stadion ging, wohin ich mich schon längst auf den
Weg gemacht hatte...
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Gegen 17:30 war dann der Einlass in die moderne AOL-Arena, wir fanden gute Plätze
recht dicht vor der grossen Bühne.
Ich war aufgeregt und freute mich auf mein erstes Bruce-Konzert zusammen
mit der E-Street-Band in meiner Heimatstadt Hamburg, nachdem ich Bruce
1996 hier schon solo im CCH gesehen hatte!
Die Zeit bis zur Show verbrachten wir mit Skat spielen, herumalbern,
Würstchen essen, Bier trinken, entspannen...und einige sogar mit dem
Lesen zahnmedizinischer Fachliteratur...*g*
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Um 20:14 begann dann der Boss mit einer Solo-Acoustic Version von "Born in the USA",
die ich wie immer total klasse fand! Danach kam die Band auf die Bühne und begann
mit "The Rising".
Die heutige Show war sehr energiegeladen und Bruce gelang es schnell, die
40.000 im Stadion von den Sitzen zu reissen und hinter sich zu bringen! Auch als bald
ein recht heftiger, aber warmer Sommer-Regen einsetzte, tat das der sehr guten
Stimmung keinen Abbruch. Und auch Bruce scheute das Wasser von oben nicht, als er
immer wieder am Rand der Bühne stand und sein bestes gab, um die Menge bei Laune zu
halten!
Die Setlist war der Hammer, der reinste Wahnsinn - und zu den ewigen
Klassikern seiner Shows beglückte uns der Boss heute mit Sahnestücken wie
"My Love will not let you down", "You can look (But you better not touch)",
"No Surrender" und dem immer wieder genialen "Racing in the Street"!
Der einzige Schwachpunkt der Show war allerdings, als Bruce bei "Hungry Heart"
den Sänger der Gruppe "BAP", Wolfgang Niedecken, auf die Bühne holte. Dieser sang
schlecht wie immer und versaute den Song wie üblich - keine Ahnung, warum Bruce sich
das immer antun muss...aber ihre Freundschaft scheint davon zumindest nicht
beeinträchtigt zu werden.*g*
Am Ende der 3-stündigen Show waren jedenfalls der Regen längst vergessen und auch
unsere "Bruce-Neulinge" Julia, Kugel und Olli Bauer konnten zumindest in Ansätzen
nachvollziehen, warum es uns immer wieder zu den legendären Live-Konzerten von Bruce und
seiner E-Street-Band zieht.
Schade, dass am heutigen Abend Eva nicht dabei sein konnte, die zu Hause auf unsere
erst 5 Wochen alte Tochter
Anita
aufpasste, aber ich war in Gedanken oft bei ihr und ließ sie auch das eine oder andere
Mal per Handy für ein paar kurze Momente an diesem tollen Konzert teilhaben.
Für mich war es ein tolles Konzert (mein 25.!) und ich habe diesen Tag mit Bruce in meiner
Heimatstadt Hamburg sehr genossen!
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Kritiken
Aus Hamburger Abendblatt, 13.06.2003:
Der Boss rockt, das Stadion tobt!
Rock-Legende: 40 000 Fans feierten Bruce Springsteen in der AOL-Arena.
Von Heinrich Oehmsen
Hamburg - Ein junger Mann verkauft Operngläser im Oberrang der AOL-Arena.
Nicht gerade das übliche Accessoire für ein Rockkonzert, aber das Publikum von
Bruce Springsteen ist schon etwas in die Jahre gekommen - und bequem geworden.
Was man vom "Boss" nicht sagen kann.
Der 53 Jahre Sänger und Gitarrist strotzt vor Energie, immer noch.
Seit Jahrzehnten eilt ihm der Ruf voraus, ein ehrlicher, hart arbeitender
Rocker zu sein, in der AOL-Arena stellt er es 22 Jahre nach seinem legendären Konzert
mit der E-Street-Band im CCH wieder unter Beweis.
Damals spielte er auf den Schultern eines kräftigen Fans stehend Gitarre.
Aber auch heute zählt dieser Mann noch lange nicht zum alten Eisen.
Um 20.14 Uhr stapft Springsteen ganz allein auf die gigantische Bühne,
in der Hand eine zwölfsaitige Akustikgitarre.
Mit einer orientalisch anmutenden Version von "Born In The USA" beginnt er den Abend.
Das Publikum klatscht, johlt und pfeift vor Begeisterung.
Doch die Solonummer ist nur kurzes Warmspielen für eine fast dreistündige Show.
Als die E-Street-Band zu den Instrumenten greift, rollt ein Rockgewitter
über die 40 000 Zuhörer. Bruce Springsteen ist "on fire".
"The Rising", der Titelsong seines jüngsten Albums, folgt.
Mit diesem Werk zeigte sich Springsteen in der Folge des 11. September
als amerikanischer Patriot. Angetrieben vom unermüdlichen Max Weinberg am
Schlagzeug, der der Show im Gegensatz zu den Rockarbeitern am Bühnenrand den nötigen
Schuss modische Eleganz gibt, feuert die E-Street-Band jetzt einen Kracher nach dem
anderen ab. Auch ohne Pyrotechnik und anderen Schnickschnack.
Clarence Clemons spielt immer noch Saxophon, als hätte er das Lungenvolumen eines
finnischen Skilangläufers. Und am Bühnenrand ackern Springsteen und seine
Gitarristen Little Steven und Nils Lofgren.
Auf den hochauflösenden Videoleinwänden zu beiden Seiten der Bühne ist selbst
in den entlegenen Winkeln der Arena zu erkennen, wie Springsteen die Augen
zusammen kneift und die Zähne fletscht, wie die Adern an seinem Hals hervortreten.
Rock'n'Roll, wie er ihn liebt, ist echte Arbeit - und Springsteen immer noch
seine Verkörperung.
Doch es gibt auch ruhige Momente an diesem Abend: wenn er mit seiner Ehefrau
Patti Scialfa im Duett "Empty Sky" singt. Aber viel mehr Spaß scheint es
Springsteen zu machen, wenn er zeigen kann, wie fit er ist.
Bei "Waiting On A Sunny Day" klammert er sich mit den Füßen nach oben an den
vorsorglich festgeschraubten Mikrofonständer, in nächsten Moment rutscht er auf
Knien etwa 20 Meter weit über die glatte Vorbühne. Das ist genau das, was sein
Publikum sehen will. Das weckt Erinnerungen an die CCH-Show, als er auf den
Lautsprecherboxen herumturnte, mit seiner Gitarre ins Parkett hineinlief und
umringt von Fans im Gang spielte.
Inzwischen hält es auch auf den Rängen niemand mehr auf den Sitzen.
"Das ist die geilste Springsteen-Show, die ich je gesehen habe", sagt Nico Thoms (43)
aus Harburg, der immerhin schon zwölf Konzerte mit dem "Boss" erlebt hat.
Bei "Badlands" aus dem Frühwerk "Darkness On The Edge Of Town" aus dem Jahr 1978
klatscht fast jeder im Rund mit den Händen über dem Kopf. "Bruce! Bruce! Bruce!"
skandieren die Fans, "Hamburg! Hamburg!", brüllt der "Boss" zurück.
Der Regen ist vergessen, Springsteens Hemd ist genauso klatschnass wie die
derjenigen unten im ungeschützten Innenraum - allerdings vom Schweiß. Weiter geht
die Tour de Force mit "Out In The Streets", bis es zur ausführlichen Vorstellung
jedes Musikers kommt, der an diesem außergewöhnlichen Konzertabend
(Stargast für "Hungry Heart" im Zugabenteil: Wolfgang Niedecken von "Bap") dabei war.
Es scheint so, als wären Bruce Springsteen und die E-Street-Band immer noch
das Maß aller Dinge. Nichts da vom Langweiler, in dem kein Feuer mehr brennen würde.
Mancher junger Musiker wäre froh, wenn er die Energie dieses Bühnenvulkans
in sich hätte.
erschienen am 13. Juni 2003 in Kultur / Medien,
siehe auch
hier
© Hamburger Abendblatt
Aus Hamburger Abendblatt, 12.06.2003:
Die Rocklegende lebt
Von Willi Andresen
Der Boss ist wieder zurück in Hamburg. Am 12. Juni spielt Bruce Springsteen
mit seiner alten E-Street-Band in der AOL-Arena. Drei Stunden lang werden die
neun Musiker auf der Bühne stehen. Ein unvergessliches Konzert ist garantiert.
Willkommen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Alles ist machbar, behaupten
die Amis. Und Superlative gibt es immer wieder. So wie Ende Mai, als der US-Sender
XM Satellite Radio einen Springsteen-Marathon veranstaltete und am Wochenende
des Memorial Day alle offiziellen Songs aus der 30-jährigen Plattenkarriere des
US-Rock-Nationalhelden spielte. 66 Stunden nonstop vom Boss. Keep on rocking!
Ein solcher Overkill bleibt den deutschen Fans erspart, doch die aktuellen
Konzerte von Bruce Springsteen and The E-Street-Band entschädigen für vieles und
gehören zum Besten, was der Musiksommer 2003 zu bieten hat.
Am 12. Juni gastieren Bruce und Co. in der AOL-Arena und spielen erstmals
seit 21 Jahren wieder vereint in der Hansestadt. "Mein Job ist es, in die Stadt zu
kommen und jedem zu sagen, dass er nicht den Kopf hängen lässt, sondern mutig
weitermacht", hat der 53 Jahre alte Sänger und Gitarrist aus New Jersey einmal
erklärt. "Danach hau ich wieder ab." Auf die Bühne und spielen, reden und
rocken - das Prinzip Springsteen ist einfach und ehrlich, kraftvoll und
mitreißend. "Wir haben so viele Songs, die wir spielen können", sagt er.
"Das gibt uns viel Spielraum für eine gute Zeit."
Am 10. Mai gaben Springsteen und die reformierte E-Street-Band das Debüt der
diesjährigen Deutschland-Tour. Bruce und seine acht Begleiter spielen bei allen
aktuellen Konzerten fast nur alte oder ganz neue Songs. Kein Auftritt auf der Welttournee 2002/03 gleicht dem anderen, jeder Abend ist
anders. In Ludwigshafen eröffnete Springsteen solo mit einer akustischen
Gitarrenversion von "This Hard Land". In Dublin startete er mit einem akustischen
"Born In The U.S.A.", in London gab es die Tour-Premiere des Songs
"Meeting Across The River" aus seinem Jahrhundertwerk "Born To Run" von 1975.
Einige Hits tauchten bislang jeden Abend auf: "Badlands" etwa, "Born To Run",
"Empty Sky", "Into The Fire", "Land Of Hope And Dreams", "The Rising" und
"Waitin On A Sunny Day". Im Schnitt spielen Springsteen und Co. jeden Abend 23 bis
24 Songs aus einem Pool von 100 Songs. Die meisten Auftritte endeten mit dem
furiosen Finale "Dancing In The Dark".
"Die Leute kommen und packen ihre Sorgen für einige Zeit beiseite,
amüsieren sich und tanzen", resümierte Bruce schon 1987. "Wir versuchen aber auch,
den Fans verschiedene Eindrücke zu vermitteln, so dass sie über ihr Leben, ihren Job
und ihre Freunde nachdenken können." Die Musiker auf der Bühne arbeiten hart dafür,
meist drei Stunden. Das reicht für einen unvergesslichen Abend.
Willkommen im Land der begrenzten Möglichkeiten.
erschienen am 12. Juni 2003 in Konzerte,
siehe auch
hier
© Hamburger Abendblatt
Aus Hamburger Morgenpost, 12.06.2003:
Der Therapeut der USA
Bruce Springsteen - heute in der AOL Arena
Von Oliver Kube
Mehr als drei Stunden purer Rock'n'Roll warten heute auf Hamburger und
Zugereiste im Volkspark. Zuletzt durften wir den "Boss" 1996 in unserer Stadt erleben.
Da saß er solo, nur mit Mundharmonika und Akustikgitarre bewaffnet, auf der Bühne
des innerhalb von Minuten restlos ausverkauften CCH.
Ähnlich wie damals wird der Amerikaner Songs aus seiner kompletten Karriere
präsentieren. So sind seit einigen Wochen die Oldies "Kitty's Back" vom 1973er Album
"The Wild, The Innocent and The E Street Shuffle" und "Prove It All Night"
von "Darkness On The Edge Of Town" (1978) wieder fest im Programm.
Hauptaugenmerk des Abends liegt aber auf der aktuellen CD "The Rising".
Das kürzlich mit drei Grammys ausgezeichnete Monumentalwerk lieferte weit mehr als
nur die erhoffte Reunion von Springsteen mit seinen legendären Begleitern, der
E-Street-Band. Vielmehr traf der schon immer politisch und sozial engagierte Musiker
den Nerv der nach dem Anschlag vom 11. September 2001 im Tief befindlichen Seele
der US-Bürger.
Mit sentimentalen Stücken vom Schlage "Let's Be Friends" sowie kämpferischem
á la "My City of Ruins" gab der Mann aus New Jersey einer Nation Kraft,
ohne in das von der Regierung angezettelte Kriegsgeschrei einzustimmen. Nicht wenige
seiner Jünger glauben sogar, dass mit ihm an der Spitze des Landes die Dinge besser
laufen würden. Doch Springsteen hat bisher keine Ambitionen auf Ämter angemeldet.
Ob er sich als Gegengewicht zum erzkonservativen Arnold Schwarzenegger,
dessen Bewerbung als kalifornischer Gouverneur läuft, noch überzeugen lässt?
erschienen am 12. Juni 2003,
siehe auch
hier
© Hamburger Morgenpost
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Illustrationen
© Stefan Rathmann
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